Schloss Hloboká nad Vltavou (Frauenberg) bei Nacht – BAYERWALDTEAM

Die Wirkung der schönsten Schlossanlage in Südböhmen auf den Betrachter zeigt sich auch und gerade nach Einbruch der Nacht. Hluboká ist sicherlich das bedeutendste Schloss hier und die Nähe zum südböhmischen Zentrum Budweis (České Budějovice) macht es zu einem Besuchermagnet ersten Ranges. Als ich ab Februar 2000 mit meinem Projekt in Budweis zu arbeiten begann, erzählte der Geschäftsführer Karel, dass die Beleuchtungsanlage für das Schloss Hluboká ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Regionalversorger für Südböhmen JČE (Jihoceska Energetika) und dem größten Utility ČEZ war – die Beleuchtungsanlage war gerade erst frisch installiert worden.

Ich kannte die nächtliche Illumination daher bereits und wusste was auf uns fotografisch zukam. Offen war lediglich, ob durch die Energiekrise und die Strompreiserhöhungen, dies noch im Betrieb sei.

Wir werden gleich sehen.

Die östliche Gartenseite des Schloss Hluboká präsentierte sich uns gegen 21:20 Uhr so.

Nicht schlecht, aber auch (noch) nicht berauschend.

Nächtliche Illumination auf Schloss Hluboká – Ja oder nein?

Wir hatten ja alles mit dabei, was zum Fotografieren erforderlich war (aus gutem und wohl überlegtem Grund).

5 Minuten später sah die gleiche Szenerie so aus.

Die Nachtbeleuchtung geht an und lässt das Schloss Hluboká in dem gelben Licht der Natrium-Dampflampen und der HQI/HQL-Lampen mit grünem Farbstich, vor dem letzten Licht der Blauen Stunde erleuchten.

Wow! Was für ein Eindruck, in dem Bild und auch vor Ort.

Auf geht's, jetzt haben wir ca. 20 Minuten Zeit.
Dann verschwindet die Blaue Stunde wieder.

Solange der Himmel noch Zeichnung trägt, werden die Nachtaufnahmen wunderschön. Später ist der Himmel bereits zu dunkel und der Bildkontrast wird unschön. 20 Minuten sind aber eine Ansage, jetzt nur keine Zeit verschwenden und die schönsten Bildmotive suchen und umsetzen.

Das nächtliche Schloss Hluboká für die Übernachtungsgäste im Hotel

Die BesucherInnen am Tag sind schon (fast) alle wieder weg. Das Schloss schließt um 17.00 Uhr, der Schlossgarten ist die ganze Nacht über zugänglich. Ab 19.00 Uhr ist der Schlosspark schon wieder leer und kaum noch BesucherInnen vor Ort.

Für dieser herrliche Schauspiel kommen die Übernachtungsgäste aus dem Hotel Stekl und einige Einheimische in den oberen Garten herauf. TouristInnen mit Fotoapparaten sucht man glücklicherweise Vergebens. Wir haben den oberen Schlosspark fast komplett für uns alleine und können ohne Störungen und nach Herzenslust fotografieren. Die 20 Minuten wollen auch gut ausgenutzt sein.

Die ausgeprägten vertikalen Strukturen des Schlosses laden mich als Fotograf geradezu ein, hier mit Perspektivkorrektur bei der Aufnahme durch ein SHIFT-Objektiv zu arbeiten. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie, dass die vertikalen Linien auch alle senkrecht bleiben und nicht wie bei den „stürzenden Linien“ üblich, nach oben hin immer weiter zusammenlaufen und so die Bauwerke scheinbar nach hinten „umkippen„. Achten Sie einmal darauf.

Die Schlosskapelle ist dazu ein besonders gut geeignetes Beispiel. Mit einem Shift-Objektiv bleiben alle vertikalen Linien senkrecht und parallel, da der Aufnahmesensor auch senkrecht bleibt und nicht nach oben gekippt wird. Eine kleine Ursache bei normaler Fotografie (kippen der Kamera nach oben), große Auswirkungen auf das fertige Bildergebnis (Stürzende Linien). Mit dem Canon TS-E 24mm kann dies auf recht einfache Art und Weise bereits bei der Aufnahme vermieden werden und so erscheinen die Bilder bei der Betrachtung erstmals etwas ungewohnt, aber doch eigentlich ganz normal.

Romantische Ecken an allen Seiten des Schlosses

Der hier gewählte Tudor-Gotik-Stil wird der Epoche der Romantik zugeordnet und spätestens mit der Nachtbeleuchtung wird das den BesucherInnen auch klar. Romantik ist hier überall zu finden, auch wenn die damaligen Fürsten nicht das Privileg hatten, das eigene Schloss bei künstlichem Licht bewundern zu können.

Dazu passt der Abendhimmel in der Blauen Stunde ganz hervorragend, solange er noch hell genug ist und noch Zeichnung behält.

Das war eine Überraschung in der Fotografie. Dabei kann es doch so einfach sein:

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Sich für die schönsten Bildmotive auch einmal die erforderliche Zeit zu nehmen und nicht wie wild auf der Straße, von einem vermeintlichen Motiv, zum nächsten zu hasten. Weniger kann manchmal auch deutlich mehr sein, vor allem wenn das Bildergebnis so einfach planbar ist.

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